1875–76
Laut der Schulchronik vom 31. Dezember 1890 hatte das Dorf Oberloibach damals 154 Einwohner. Unterloibach bildete zu dieser Zeit eine eigenständige Ortschaft. Der „löbliche k. k. Bezirksschulrath“ wies die Ortsgemeinde Loibach an, einen eigenen „Ortsschulrath“ zu wählen, um in Loibach eine eigene Schule zu errichten. Die Honoratioren des Ortes waren jedoch der Ansicht, dass Loibach keine eigene Schule benötige, da in Bleiburg bereits eine große Schule bestand und die Verkehrsverbindungen dorthin ausreichend seien.
Die Ortsgemeinde Loibach beschloss am 15. Oktober 1875, eine eigene Schule zu errichten. Am 20. Juli 1876 wurde der Neubau nach einer Bauzeit von nur knapp zehn Monaten fertiggestellt. Die Errichtung des Schulhauses kostete 8.395 Gulden, was heute einem Wert von etwa 200.000 Euro entsprechen würde. Zur Finanzierung wurde aus dem Landesfonds ein Darlehen in Höhe von 5.000 Gulden aufgenommen. Darüber hinaus bewilligte der k. k. Bezirksschulrath eine staatliche Subvention von 300 Gulden. Zum ersten Lehrer und provisorischen Leiter der neuen Schule wurde Franz Jurkovič aus St. Georgen bei Stainz in der Steiermark bestellt.
1877–1900
In den ersten Jahren besuchten bis zu 80 Schüler die Schule. Im Jahr 1892 wurde die einklassige Schule in drei Abteilungen geführt. Zu diesem Zeitpunkt zählte sie 58 Knaben und 59 schulpflichtige Mädchen. Die Schulchronik vermerkt dazu, „dass viele Eltern ihre Kinder nach Bleiburg schicken, damit sie mehr und besser Deutsch lernen mögen!“ Hierzu sei angemerkt, dass noch im Jahr 1910 rund 90 Prozent der Bevölkerung des Schulsprengels Slowenisch als Muttersprache angaben. Der Schulunterricht war von Amts wegen so geregelt, dass lediglich in der ersten Klasse auch auf Slowenisch unterrichtet wurde, während der Unterricht in den höheren Klassen ausschließlich in deutscher Sprache stattfand.
1901–1920
Die Abwanderung zahlreicher Schüler aus dem angestammten Schulsprengel Loibach führte schließlich dazu, dass die Volksschule Oberloibach im Schuljahr 1901/02 aufgrund zu geringer Schülerzahlen wieder nur einklassig geführt wurde. Ab dem Schuljahr 1907/08 konnte die Schule aufgrund steigender Schülerzahlen wieder zweiklassig geführt werden. Gleichzeitig wurde der Unterricht zunehmend zweisprachig in deutscher und slowenischer Sprache angeboten. Am 16. Mai 1903 ließ der Obmann des Ortsschulrates, Motschilnik, an der Schule durch den Maler Cappelari die slowenische Aufschrift „Ljudska šola“ anbringen. Dies sorgte in Teilen der Bevölkerung für erhebliche Unruhe und führte schließlich zu Neuwahlen. Bei dieser Wahl wurde Jakob Glawar zum Gemeinderat und dessen Sohn Gregor Glawar zum Mitglied des Ortsschulrates gewählt.
Am 26.08.1903 begannen in Loibach die k.k. Divisionsmanöver der zum III. Korps gehörigen 28. Infanterietruppendivion „Laibach“ unter dem Kommando von Feldmarschalleutnant Rudolf Edler von Chavanne. Von St. Georgen bis zum Bahndamm in Unterloibach war alles voll mit Soldaten. Viktor Kovačič vom IR 97 betrat des Öfteren das Schulgebäude um Meldungen seines Regimentkommandos zu überbringen. Am 30.08.1903 erfuhr die Volksschule in Oberloibach allerhöchsten Besuch, denn um Punkt Mittag stand Erzherzog Leopold Salvator von Habsburg-Toskana mit seinem Stab im Garten der Schule und beobachtete dem Manöverschluss, dem auch noch eine Parade der über 7000 Soldaten folgte. Zu diesem Zweck war von Zimmermeister Jakob Glavar. Das Infanterieregiment 47 „Graf Beck“ marschierte mit den Klängen ihres von Josef Wagner komponierten Hausmarsches an den Ehrengästen vorbei.
Am 19. November 1918 wurde Loibach von Truppen des Landsturmregiments aus Laibach besetzt. Die Kommandanten bezogen in der Volksschule Quartier. Ein Maueranschlag in serbischer Sprache verkündete die Zugehörigkeit zum neu gegründeten SHS-Staat. Am 23. November 1918 besetzte Franjo Malgaj die Stadt Bleiburg „im Namen der Entente“, wie er selbst behauptete. Die darauffolgende Kärntner Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 ergab eine Mehrheit von 59,41 Prozent für den Verbleib bei Österreich. Die SHS-Besatzungstruppen verließen das Land schließlich am 22. November 1920.
1921–1945
Am 4. Dezember 1929 wurden an der Volksschule Loibach erstmals ländliche Fortbildungswochen in Form von Kursen für 14- bis 17-jährige Jugendliche eingerichtet. Diese wurden bis 1959 angeboten. Im Schuljahr 1934/35 wurde an der Volksschule Loibach die vormilitärische Jugenderziehung, zu der unter anderem Exerzierübungen gehörten, neu eingeführt. Die Durchführung übernahm zunächst Gendarmerieinspektor Painsit vom Gendarmerieposten Loibach. Im Schuljahr 1936/37 wurde diese Aufgabe von Gendarmerieinspektor Sametz aus Loibach übernommen.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich und dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 wurden auch in Loibach nationalsozialistische Fahnen gehisst. In Unterloibach fand unter Beteiligung der Schuljugend eine große Feier statt. Am 4. April 1938 fuhr, wie es in der Schulchronik heißt, „alles“ nach Klagenfurt, um den „Führer“ zu sehen. Bei der Volksabstimmung vom 10. April 1938 stimmten in der Gemeinde Loibach laut den damaligen offiziellen Angaben 99,75 Prozent – bei nur einer Nein-Stimme – für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Wenn die SS-Polizei die Schule in Anspruch nahm, musste die 2. Klasse jeweils vom Unterricht beurlaubt werden. Der Unterricht der 1. Klasse wurde in dieser Zeit beim Hartmann in Unterloibach und später auch beim Trampusch abgehalten.
Während des Zweiten Weltkrieges quartierten sich mehrfach Einheiten der SS-Polizei in der Volksschule Oberloibach ein. Der Kartoffelkeller des Schulgebäudes wurde als Luftschutzkeller eingerichtet. Am 4. April 1945 wurde ein Klassenraum vom Militär belegt. Am 6. Mai 1945 verließen schließlich alle dort einquartierten Einheiten das Schulgebäude. Bereits am 7. Mai 1945, einen Tag vor der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, wurden in der Schule sämtliche Zeichen der „Naziherrschaft“ verbrannt. Am 18. Mai 1945 bezogen britische Soldaten das Schulhaus. Laut der Schulchronik kehrte damit nach den unruhigen Tagen des Kriegsendes wieder Ruhe im Dorf ein. In den Tagen zuvor war es demnach wiederholt zu Übergriffen durch Partisanen sowie zu versuchten Verschleppungen von Angehörigen der Zivilbevölkerung gekommen. Später richteten die britischen Besatzungstruppen einen eigenen Posten beim Zollhaus ein.
1946–2016
Nach 1945 wurde der Unterricht an der Volksschule Loibach zweisprachig geführt. Im Jahr 1958 erhielten die Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder vom Unterricht in slowenischer Sprache abzumelden. In der Folge wurden 81 Prozent der Kinder vom zweisprachigen Unterricht abgemeldet.
1955 wurden umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten an der Volksschule Oberloibach abgeschlossen. Gleichzeitig erfolgte die Einweihung des neuen Lehrerwohnhauses. Im Jahr 1967 folgten weitere größere Renovierungsarbeiten am Schulgebäude. 1974 erhielt die Volksschule zudem eine leistungsstarke Feuerwehrsirene, die zur Alarmierung des oberen Dorfes diente.
Nach einer umfassenden Generalsanierung des Gebäudes mit Kosten von 3.246.000 Schilling wurde die Volksschule Loibach am 21. Oktober 1990 feierlich wiedereröffnet.
Mit der Neufestlegung des Schulsprengels der Volksschule Loibach im Jahr 2003 begann zunehmend auch die Diskussion über die Zukunft und eine mögliche Schließung der Kleinschule. Im Schuljahr 2010/11 lagen schließlich nur noch 15 Anmeldungen vor, weshalb die Volksschule fortan als Expositur der Volksschule Bleiburg geführt wurde.
Mit Ende des Schuljahres 2012/13 schloss die Volksschule Loibach aufgrund zu geringer Schülerzahlen endgültig ihre Pforten. Damit endete nach beinahe 140 Jahren nicht nur die Geschichte der Schule als Bildungseinrichtung. Für die örtlichen Vereine und die Dorfgemeinschaft ging zugleich ein wichtiger gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt verloren.
2017-
Im Dezember 2017 erwarb die Familie Kovačič das ehemalige Schulgebäude. Nach umfangreichen Arbeiten und der Entwicklung einer neuen Nutzung wurde das Haus zu einem Ort der Kunst, Kultur und Begegnung. Am 1. Juni 2019 wurde das Atelier der Kunst Kovačič offiziell eröffnet.
Damit begann für das historische Schulhaus ein neues Kapitel: Aus einem Ort des Lernens wurde ein Ort der Kunst, der kulturellen Begegnung und des gemeinsamen Schaffens.
